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Recht mal nicht so trocken

Trunkenheit im Straßenverkehr ist verboten und unter bestimmten Voraussetzungen auch strafbar. Das kann sich doch jeder zusammenreimen.

Dieser Ansicht wahr wohl auch der Strafrichter des Amtsgerichts Höxter, der über die Strafbarkeit und strafrechtlichen Folgen einer Trunkenheitsfahrt zu entscheiden hatte.Wer aber Spass versteht und ein reuiger Sünder ist, der lässt sich das Leben durch ein solches Urteil nicht vermiesen und gewährt seinem Anwalt die Freiheit auf das Urteil in angemessener Form zu reagieren.

Doch lesen Sie die Urteilsbegründung (AG Höxter, Urt. v. 21.06.1995 - 8 Js 655/95) und die Reaktion des Rechtswaltes selbst:



Aus den Gründen:

Am 3.3.95 fuhr mit lockerem Sinn
der Angeklagte in Beverungen dahin.
Daheim hat er getrunken, vor allem das Bier
und meinte, er könne noch fahren hier.
Doch dann wurde er zur Seite gewunken.
Man stellte fest, er hatte getrunken.
Im Auto tat's duften wie in der Destille.
Die Blutprobe ergab 1,11 Promille.
Das ist eine fahrlässige Trunkenheitsfahrt,
eine Straftat, und mag das auch klingen hart.
Es steht im Gesetz, da hilft kein Dreh,
§ 316 I und II StGB.

So ist es zum Strafbefehl gekommen.
Auf diesen wird Bezug genommen.
Der Angeklagte sagt, den Richter zu rühren:
"Das wird mir in Zukunft nicht wieder passieren!"
Jedoch es muß eine Geldstrafe her,
weil der Angeklagte gesündigt, nicht schwer.
30 Tagessätze müssen es sein
zu 30,- DM. Und wer Bier trinkt und Wein,
dem wird genommen der Führerschein.
Die Fahrerlaubnis wird ihm entzogen,
auch wenn man menschlich ihm ist gewogen.
Darf er bald fahren? Nein, mitnichten.
Darauf darf er längere Zeit verzichten.
5 Monate Sperre, ohne Ach und Weh,
§§ 69, 69a StGB.

Und schließlich muß er, da hilft kein Klagen,
die ganzen Verfahrenskosten tragen,
weil er verurteilt, das ist eben so,
§ 465 StPO.

Das Urteil entfesselte die Dichtkunst des Rechtsanwaltes, der darauf an das Gericht u.a. schrieb:

Der Mandant, einerseits zufrieden,
andererseits ein wenig beklommen,
hat den Urteilsspruch vernommen.
Im Hinblick auf die Sach- und Rechslagen, die allseits bekannten,
und nach Rücksprache mit dem Mandanten
tu ich hiermit kund
für alle in der Rund',
für Staatsanwaltschaft und Gericht:
Rechtsmittel einlegen - tun wir nicht.


Nachtrag:

Es ist durchaus nach ständiger Rechtssprechung zulässig, daß ein Urteil auch in Versform abgefasst wird. Es muss aber im wesentlichen für die Parteien verständlich sein.